B1 · IntermediateB1+466 words
Die WG-Kündigung — Kapitel 1: Der Zettel am Kühlschrank
The Shared-Flat Notice — Chapter 1: The Note on the Fridge
Ben, Julia und Karim wohnen seit zwei Jahren zusammen in einer Wohngemeinschaft in Leipzig. Am Anfang lief fast alles reibungslos: Sie teilten sich Küche, Bad und Einkäufe, ohne dass es große Konflikte gab. Doch seit einigen Wochen häuft sich das schmutzige Geschirr in der Spüle, und keiner der drei fühlt sich richtig verantwortlich dafür. Julia findet, dass Ben viel zu selten spült, und Ben wiederum meint, dass Karim sein Geschirr grundsätzlich tagelang stehen lässt.
Eines Morgens findet Ben einen Zettel am Kühlschrank. Julia hat darauf geschrieben: „Es wäre wirklich schön, wenn endlich mal jemand das Geschirr spülen würde. Seit Tagen stapelt sich alles in der Spüle, und ich habe langsam keine Lust mehr darauf!“ Ben ärgert sich über den Ton des Zettels. Er denkt: Wenn Julia ein Problem hätte, könnte sie es doch auch einfach direkt ansprechen, anstatt einen Zettel zu schreiben. Man braucht doch nicht gleich so eine Nachricht zu hinterlassen, findet er.
Am nächsten Tag lässt Karim sein schmutziges Geschirr wieder einfach in der Spüle stehen, ohne ein Wort dazu zu sagen. Julia ist frustriert und schreibt einen zweiten, deutlich schärferen Zettel: „Falls sich hier nichts ändert, stelle ich das Geschirr einfach vor eure Zimmertüren!“ Karim findet, dass die Küche nicht nur seine Aufgabe ist – das mag stimmen, aber er hat trotzdem seit über einer Woche nicht mehr gespült.
Ben liest den zweiten Zettel und wird selbst langsam ungeduldig. Er hätte sich gewünscht, dass Julia zuerst mit ihm redet, bevor sie wieder einen Zettel an den Kühlschrank hängt. Gleichzeitig weiß er, dass auch er in den letzten Wochen zu wenig im Haushalt geholfen hat. Zwar findet er die Zettel nervig, aber ganz unberechtigt sind Julias Vorwürfe eben auch nicht. Die wachsende Spannung in der Wohnung macht ihm zunehmend zu schaffen. Kurz denkt er sogar darüber nach, ob es nicht einfacher wäre, aus der WG auszuziehen.
Am Abend trifft Ben Julia in der Küche. „Diese Zettel bringen doch nichts“, sagt er. „Wenn wir wirklich etwas ändern wollten, müssten wir einfach mal in Ruhe miteinander reden.“ Julia stimmt ihm zu, auch wenn sie immer noch etwas verärgert ist. Sie schlägt vor, ein richtiges Gespräch zu dritt zu organisieren, damit alle drei ihre Sichtweise erklären können.
Karim ist zuerst skeptisch, als Ben ihm von der Idee erzählt. Er sagt, ein Gespräch würde wahrscheinlich sowieso nichts bringen. Trotzdem stimmt er am Ende zu, um den ständigen Streit um das Geschirr endlich zu beenden. Seitdem sie zusammenwohnen, haben die drei noch nie wirklich offen über solche Probleme gesprochen – bisher haben Zettel und stille Vorwürfe gereicht.
Am Freitagabend wollen sich alle drei zusammensetzen und über die Regeln in der WG sprechen. Julia hofft, dass sie danach wieder entspannter zusammenleben können. Ben ist sich nicht sicher, ob ein einziges Gespräch wirklich reicht – aber ein Anfang wäre es allemal.
Verständnisfragen
Check your understanding
1. Wie lange wohnen Ben, Julia und Karim schon zusammen?
2. Was schreibt Julia auf den ersten Zettel?
3. Was macht Karim, nachdem er den ersten Zettel gesehen hat?
4. Inferenz: Warum ärgert sich Ben besonders über den Ton von Julias Zettel?
5. Was schlägt Julia am Abend in der Küche vor?
6. Wann wollen sich die drei zum Gespräch treffen?